Tag 3 der Demokratiewoche

Tag 3 Demokratiewoche

Mehr Mut, mehr Respekt, mehr Zusammenhalt für unsere Demokratie morgen.

Der dritte Tag der Demokratiewoche zeigte eindrucksvoll, wie vielfältig und lebendig politische Bildung sein kann. Mit bewegenden persönlichen Einblicken, intensiven Diskussionen und eindrucksvollen Lernorten spannte das Programm einen weiten Bogen – von Syrien über Hannover bis an die ehemalige innerdeutsche Grenze.

Einen besonders emotionalen Auftakt bildete die Lesung von Zahra Alhalamy. Offen und eindringlich schilderte sie ihr Leben im Krieg in Syrien, die Angst, die Zerstörung – und schließlich ihre Flucht über das Mittelmeer nach Deutschland. Ihre Worte gingen unter die Haut. Es war kein abstrakter Bericht über geopolitische Konflikte, sondern die persönliche Geschichte einer jungen Frau, die Krieg, Verlust und Neuanfang erlebt hat. In der anschließenden Fragerunde wurde deutlich, wie sehr ihre Erzählung die Zuhörenden berührte – und wie wichtig solche Begegnungen für das Verständnis von Flucht und Integration sind.

Mit einem sachlichen, aber nicht minder eindringlichen Thema setzte der Verfassungsschutz den Tag fort: Radikalisierung junger Menschen. Erläutert wurden Mechanismen extremistischer Anwerbung, insbesondere in sozialen Medien, und zeigten auf, wie demokratische Resilienz gestärkt werden kann. Die Diskussion machte klar: Demokratie ist keine Selbstverständlichkeit – sie braucht Aufmerksamkeit, Aufklärung und Engagement.

Engagement stand auch beim zweitägigen Rassismusseminar der DGB-Jugend im Mittelpunkt, das am zweiten Tag vertieft wurde. In Workshops und Gesprächsrunden setzten sich die Teilnehmenden kritisch mit Alltagsrassismus, struktureller Benachteiligung und Zivilcourage auseinander. Ziel war es, nicht nur Wissen zu vermitteln, sondern Handlungssicherheit im Alltag zu gewinnen.

Einen Perspektivwechsel bot der Besuch eines heilpädagogischen Biobauernhofs in Isenbüttel. Dort wurde Demokratie ganz praktisch erfahrbar: im gemeinschaftlichen Arbeiten, in der Übernahme von Verantwortung und im respektvollen Umgang miteinander. Das inklusive Konzept des Hofes zeigte, wie Teilhabe und Mitbestimmung im Alltag gelebt werden können.

Politische Institutionen rückten beim Besuch des Niedersächsischen Landtages in den Fokus. Nach einer Führung durch das Parlament diskutierten die Teilnehmenden in einem Workshop über die Bedeutung demokratischer Prozesse, Mehrheitsfindung und Opposition. Dabei wurde deutlich, wie komplex politische Entscheidungsprozesse sind – und wie wichtig informierte Bürgerinnen und Bürger für ihr Gelingen bleiben.

Einen historischen Kontrapunkt setzte schließlich der Besuch im Grenzmuseum Böckwitz-Zicherie. Die Auseinandersetzung mit dem Leben im ehemaligen Grenzstreifen, geprägt von Überwachung, Einschränkung und Trennung, führte eindrücklich vor Augen, was fehlende Freiheit bedeutet. Die Berichte über Fluchtversuche, Kontrolle und Isolation machten klar, dass Demokratie und offene Grenzen hart errungene Güter sind. Auch diese Zeitzeug:innenberichte gingen den Schüler:innen unter die Haut, ebenso wie die Regenschauer, die von den Schüler:innen tapfer ertragen wurden. Bei einer heißen Suppe wurden Erfahrungen des Tages gemeinsam reflektiert. 

Ergänzend stellten sich das Frauenhaus Gifhorn sowie der Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises vor. Dabei wurde deutlich, wie essenziell konkrete Unterstützungsstrukturen für von Gewalt betroffene Frauen und Kinder sind – und wie eng Gewaltschutz, Gleichberechtigung und demokratische Grundwerte miteinander verbunden sind. Der Gleichstellungsbeauftragte unterstrich die Bedeutung gleicher Chancen in Bildung, Beruf und gesellschaftlicher Teilhabe. Beide Beiträge machten klar: Demokratie zeigt sich nicht nur in Parlamenten, sondern auch im täglichen Einsatz für Schutz, Respekt und Gleichstellung.

Der zweite Tag der Demokratiewoche verband persönliche Schicksale, politische Bildung und historische Erinnerung zu einem starken Gesamtbild. Er zeigte: Demokratie lebt vom Mitmachen, vom Erinnern – und vom Mut, hinzusehen.