Tanzcafé 2013 - Macht der Töne!

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Tanzcafé 2013 - Macht der Töne!

Am 6. November 2013 fand zum wiederholten Male die Veranstaltung Tanzcafé statt. Die Veranstaltung  Tanzcafé wird  gemeinsam mit an Demenz erkrankten Bewohnern des Christinenstifts, Mitarbeitern des Heims, der Alzheimer Gesellschaft Gifhorn und  angehenden  Pflegeassistentinnen/Pflegeassistenten der BBS 1 in regelmäßigen Abständen durchgeführt.

Die Macht der Töne

Stellen Sie sich vor, Sie wachen eines Morgens in Moskau auf, Sie kennen die Bedeutung der Worte nicht, können sich nicht orientieren, weil alles fremd ist, kennen keinen Menschen. Noch schlimmer, Sie haben sich selbst verloren. So fühlen sich Menschen mit fortgeschrittener Demenz.

Demenz und Musik

Mit dem Einsetzen von Musik werden im Gehirn Endorphine freigesetzt und Entspannung setzt ein. Die äußeren Merkmale (Lächeln, Kopfnicken etc.) zeigen die innere Bewegung. Die bekannten Lieder bringen die Kindheit zurück. Die Betroffenen erinnern sich, obwohl ihr Leben nur noch durch kognitive Verluste geprägt ist. Erinnerungen tauchen auf und Menschen, die ihren Namen nicht mehr kennen, nicht wissen wo sie sich befinden, haben auf einmal wieder Halt im Leben, einen Anker gefunden. Die verborgenen Schätze der Lebensgeschichte (Erinnerungen an Situationen in der Kindheit) sind besonders wichtige Ressourcen, da sie den Betroffenen ihre Identität für einen Augenblick wieder zurückbringen. Mit alten bekannten Liedern und in der Gemeinschaft mit Menschen ist dieses Erleben möglich. Die Macht der Töne hat wahrlich heilende Wirkung.

Die Veranstaltung

Eine Stunde vor Veranstaltungsbeginn finden wir uns im großen Speisesaal des Christinenstifts ein. Nun müssen Kuchen, Dekorationen, Liedermappen etc. aus dem Auto geholt werden, die Tische neu arrangiert, eingedeckt und dekoriert werden. Auf der Bühne werden Ansagen geprobt und Absprachen getroffen. 15 Minuten vor Beginn der Veranstaltung holen Schüler und Mitarbeiter die Damen und Herren aus ihren Zimmern ab. Pünktlich um 14:30 beginnt die Veranstaltung. Begrüßungsworte, Lieder und Gedichte eröffnen das Tanzcafé und stimmen gleichfalls auf die Jahreszeit ein. Gemeinsam wird nun der von den Schülern gebackene Kuchen gegessen, Bewohner und Schüler stellen sich vor, Gespräche entwickeln sich. Herr Stepke (Alleinunterhalter) unterstützt die Veranstaltung mit seinem Keyboardspiel maßgeblich. Nach dem Kaffeetrinken fordern wir die Damen und Herren zum Tanzen auf. Wer nicht mehr tanzen kann oder mag, schunkelt zu bekannten alten Liedern, summt oder singt mit, bewegt die Füße im Takt. Kleine Programmpunkte unterbrechen die Tanzveranstaltung. So werden heute beispielsweise Gedichte vorgetragen, ein Kanon angestimmt und eine Polka vorgetanzt. Ganz besonders zu erwähnen ist die musikalische Darbietung von Nathalie Rotenberg. Nathalie hat 2 sehr anspruchsvolle Klavierstücke ausgewählt und so perfekt vorgespielt, dass die Zuhörer Gänsehaut haben. Der Applaus ist überwältigend. Nach den Darbietungen durch die Schüler wird wieder getanzt. Zu erwähnen ist, dass auch Rollstuhlfahrer sehr wohl tanzen können. Gegen 16:00 Uhr leitet meist eine Polonaise das Ende ein, nochmals werden Gedichte vorgetragen, Lieder gesungen und Abschiedsworte an die Teilnehmer gerichtet. Glücklich und zufrieden gehen nicht nur die Bewohner auf ihre Zimmer, sondern auch Schüler und Lehrer nach Hause, mit dem Gefühl im wahrsten Sinne des Wortes, etwas bewegt zu haben. Nicht nur die Senioren sind bewegt, sondern auch wir haben uns bewegt, sind über unseren Schatten gesprungen, haben uns eingelassen und viel erreicht.

Reflexion

In der Reflexion haben wir am folgenden Tag im Unterricht die Fotos ausgewertet. Erstaunliche Veränderungen sind auf den Bildern zu erkennen gewesen. Alte Menschen, die sich kaum noch bewegen, ihre  Arme nicht mehr heben konnten, haben es geschafft im Lauf der Veranstaltung ihre  Arme über den Tisch zu heben, zu winken, im Rahmen ihrer Möglichkeiten „ zu tanzen“. 

Wir haben sie erlebt – die Macht der Töne!  

Vielen Dank an die Klasse PBFPF1.1, an Frau Tiedau für den Kuchen, an Frau Chrosciewski für die Zusammenarbeit und Unterstützung, an Nathalie für die musikalische Darbietung.

Friederike Hobbensiefken